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Indienreise Stefan Harrer

Aufenthalt im Internat von 21.02 bis 25.02

 

Nach einem langen Flug von Frankfurt über London nach Hyderabad mit British Airways kam ich um 04.40 Uhr Ortszeit am Flughafen Rajiv Gandhi International Airport an. Der Flughafen ist nagelneu und der sauberste und schönste, den ich je gesehen habe.

Als ich durch den Ausgang ging, war ich kurzfristig überwältigt. Ich war in einer anderen Welt angekommen. Sehr warmes, aber dennoch angenehmes Klima, dichtes Gewusel von unzähligen Menschen und lautes Gehupe machten mir klar: Ich bin in Indien!

 

Am Ausgang erwartete mich schon Bhaskar, ein Mitarbeiter des Internats, und rief den Fahrer Joseph an.
                                                                                                                     
Nach einer knappen Stunde Fahrzeit mit einem Jeep des Internats und einem kurzen Zwischenstopp an einem improvisierten Cafe-Häuschen an der Hauptstrasse (zum Wachbleiben tranken wir alle drei einen sehr leckeren, von Hand zubereiteten Chai-Tee) kam ich im Internat an.

 Bhaskar (links) und Joseph (rechts) mit einem sehr leckeren Chai-Tee 

Es folgte im Anschluss an eine leckere Stärkung durch Frau Innashama und einem Nickerchen schon der Höhepunkt meines Besuchs: Mein Patenkind Alikya kam mit ihrem Vater zu Besuch. Auch sie hatten eine lange Anreise hinter sich, da sie weit entfernt wohnt.

Sie war sehr schüchtern, was aber auch absolut verständlich ist. Lourdu fungierte als Dolmetscher und so konnte ich mit ihrem Vater reden und erfuhr einiges mehr über mein Patenkind.

Da sie zwei Tage später ihren 9. Geburtstag feierte, hatte ich einige Geschenke dabei, die ich ihr sogleich überreichte, nachdem sie mir versprochen hatte, bis zu ihrem Geburtstag mit dem Öffnen zu warten, was vom Vater strengstens überwacht wurde…:))

 
 
 Mein Patenkind Alikya mit ihrem Vater    Alikya auf dem Motorrad…noch als Beifahrerin…

Der Abschied fiel mir sehr schwer, aber sie mussten los, denn ihnen stand die lange Rückreise bevor.

Viel Zeit zum Nachdenken blieb mir nicht, denn in der Zwischenzeit hatten die Kinder des Internats entdeckt, dass ein neuer Besucher aus dem Westen eingetroffen war, und dieser musste schließlich gebührend begrüßt werden.

Das bedeutet, dass in sekundenschnelle ein unheimliches Gewusel um einen herum versucht, einem die Hand zu schütteln und nach dem Namen fragt sowie jedes Kind seinen eigenen Namen sagt und zehn Sekunden später ganz enttäuscht ist, wenn man diesen Namen wieder vergessen hat, da einem in der Zwischenzeit schon fünf andere Kinder ebenfalls ihren Namen mitgeteilt haben.

Anschließend wurde ich von Herrn Alexander Pamisetty, dem Leiter des Internats, begrüßt und er zeigte mir die das Internat, wobei wir auch in die verschiedenen Klassen gingen, um die Lehrer und restlichen Schüler zu begrüßen. Die Kinder sind sehr, sehr freundlich und sehr diszipliniert. Wohl jeder deutsche Lehrer möchte solche Kinder unterrichten...

Am Sonntag ging es dann in ein Dorf, wo viele Angestellte wohnen, u. a. auch Herr Pamisetty, bei dem ich zum Mittagessen und Abendessen eingeladen war. In dem Dorf gibt es auch eine kleine, sehr schöne Kirche.

Mit Lourdu erkundigte ich auf dem Motorrad die nähere Umgebung und erlebte den berüchtigten indischen Straßenverkehr hautnah. Allerdings sind die Leute alle sehr gute Fahrer, so dass ich mich sehr schnell an die einzige Regel "laut Hupen und es wird schon gut gehen" gewöhnt habe.
                                                                                                             
Außerdem kann man ja zur Ablenkung all die wunderschön bemalten LKWs begutachten.

 Einer der vielen eindrucksvoll bemalten LKWs 

 

Wir besichtigten zwei sehr imposante Hindutempel in der Nähe, und am Nachmittag gab es für alle ein Eis, welches ein Verkäufer mit dem Fahrrad ins Dorf brachte.
                                                                                                             
Der Montag stand ganz im Zeichen der Kinder; sie sind alle sehr neugierig, so dass es viel zu erzählen gab. Ich habe auch mit ihnen gespielt, was unheimlich Spaß macht.
Insbesondere Ballspiele sind sehr beliebt, und natürlich auch die indische Nationalsportart Cricket, die gar nicht so schwer zu verstehen ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

   Wenn der Eismann zweimal klingelt…

Am Abend war dann ein weiterer emotionaler Höhepunkt angesagt: Es wurden an die Kinder, die im Januar noch keine Zahnbürste erhalten hatten, welche ausgeteilt, so dass jetzt jedes Kind eine Zahnbürste geschenkt bekommen hat. Außerdem erhielten alle Kinder eine Tube Zahncreme und zwei Luftballons. Die Freude darüber war riesengroß.

Die Blicke der Kinder und ihre große Dankbarkeit werde ich niemals vergessen. Wenn man es genau nimmt, war eigentlich ich derjenige, der beschenkt wurde.

 

 
     

 Die Kinder mit den heißgeliebten Luftballons 

Den letzten Tag meines Aufenthalts im Internat verbrachte ich überwiegend in Hyderabad, wo wir ein Museum besichtigten und in ein berühmtes Lokal zum Essen gingen.
Dort aß ich das schärfste Essen meines Lebens (im Internat wurde immer extra für mich gekocht, nicht scharf, und trotzdem sehr lecker), Chicken Byriani, eine Spezialität von Hyderabad.

In den ersten 30 Sekunden passiert gar nichts und man denkt, was da wohl so scharf sein soll, aber danach brennt der ganze Mundraum für 10 Minuten! Ich habe das sehr genossen, und außerdem gibt es zum Löschen auch Joghurt…

Am späten Nachmittag wurde ich dann offiziell vom Team und den Kindern mit einer kleinen Rede und wunderschönen Tänzen verabschiedet.

Zur Erinnerung erhielt ich einen sehr schönen Schal und durfte noch ein paar Abschiedsworte an die Kinder und Angestellten richten, was mir nicht leicht fiel.

Früh am nächsten Morgen flog ich mit wunderschönen Eindrücken und ein bisschen Wehmut nach Kolkata, um einen Freund zu besuchen.

 
Einige Kinder und Lehrer beim Abschied
 
So manches wurde auf den Kopf gestellt…